Freitag, 23. Juli 2010

LOVE - reloaded

"Um einen Menschen zu lieben, muss man ihn ganz in sich aufnehmen, man muss sich auf ihn einlassen, ohne vorher zu wissen, wie er auf die eigene Offenheit reagieren wird. Ich kann nicht einerseits lieben wollen, also ganz geöffnet für den anderen sein, und andererseits geschützt davor sein, verletzt zu werden. Die meisten Menschen wollen jedoch beides, geschützte Sicherheit und Liebe. Beides ist nicht möglich. Wenn ich lieben möchte, muss ich bereit sein, das Sicherheitsdenken aufzugeben. Die Liebe muss wichtiger sein als der Schutz meiner Verletzlichkeit. Ich muss die Angst vor dem anderen überwinden, denn eine Gewähr für Sicherheit und Schutz meiner Verletzlichkeit gibt es nicht. Ich weiss nie vorher, was der andere mir antun wird, wie er auf meine geöffnete Seele reagiert, wie er mich behandeln wird, welche Probleme und Neurosen er an mir abreagieren wird.
Ich kann mir natürlich ein Menschenbild, ein Frauen- oder Männerbild zurechtlegen, "so sind die Frauen (Männer)", sie müssen deshalb so oder so "angepackt" werden. Ich entwickele dann eine Technik oder Taktik, wie man den anderen verliebt macht, ohne mich selbst preiszugeben, ohne mich dabei wirklich zu öffnen. Ein Menschenbild und eine Technik sollen mich vor der Gefahr schützen, verletzt zu werden. Kann sich so Liebe entfalten? Kann ich den anderen zur Schutzlosigkeit auffordern und selbst in meinem Schutzraum der Gefühlskontrolle bleiben?
Die meisten versuchen das. Sie halten sich zurück in Sicherheit, sie erfahren dann aus Distanz die Liebe des anderen, aber nie die eigene Liebe."

aus: »Die Liebe – Psychologie eines Phänomens« von Peter Lauster

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