MANIFESTO 20/10 D.E.B.R.I.S
2010. Das neue Jahrtausend ist schon einige Jahre alt.
Präsidenten sind schwarz, wichtige Politiker sind schwul oder eine Frau und SM ist ein harmloses Freizeitvergnügen aus Erotikversandpäckchen für den monatlichen Reihenhaussex in verkehrsberuhigten Vorortsiedlungen.
Ja, alles ist gut, so gut.
SM-Stammtische überholen Taubenzüchter und Kleingartenvereine in der Mitgliederzahl und das leise gemurmelte Mantra SSC ist längst in die Liturgien alleswissender Sextheoretiker abseits praktischer Beweisführung übernommen worden.
SM ist mittelschichtskompatibles Konglomerat aus Millionen Bildchen kunstvoll drapierter Frauenkörper, wahlweise in Lack, Latex, Fesseln und geilheitsfreier Langeweile und dem sinnentleerten Repetieren ständig gleicher Posen sorgfältig ausgeleuchteter Fotosets.
Ja, alles ist gut, so gut.
SM ist so vernünftig wie ein kleines Steak aus Plastikbecherchen. Sorgfältig von Geilheit, Blut und Schmerz befreit, auf dass sich niemand mehr gruseln muss und die Größe der Dom-Köfferchen längst wichtiger als das Geschlechtsteil der Eigentümer.
SM wird gelebt. Auf rauschenden Fetischparties zum Ausführen der teuren SM-Uniformität, in den Sitzungen der Stammtische und oft sogar im echten Leben. In hübschen Fotobänden im Regal, in endloser Abarbeitung erlaubter Rituale, in Aufgeregtheiten über zuviel Brutalität, zuviel Blut, zuviel Lärm, zuviel Sex, zuviel von allem, was SM mal war.
Ist alles gut, gut so ?
Nein, nichts ist gut.
SM ist kein Akronym theoretischer Möglichkeiten sondern : Sadomasochismus!
SM ist Sadomasochismus, ist Angst, ist Schmerz, ist Schreie, ist Blut, ist Dreck, ist Tränen, ist Gestank, ist Ficken, ist schweiss-sperma-speichelverschmierte Haut und brüllende Orgasmen. Keine hübschen Bildchen sondern dreckige, gierige Wirklichkeit. Jeden Tag. Immer wieder. Immer mehr. Süchtigmachend.
Sadomasochismus!
Die Lust einen Menschen zu erniedrigen, zu quälen, zum Sklaven, zur Sklavin zu formen.
Die Lust gedemütigt zu werden, vor Schmerzgeilheit fast blind und ewiges Opfer, Objekt sein.
Sadomasochismus!
Die dunkle, bösartige Macht, die alles nimmt und alles gibt, die sich nicht erklären will, die nicht auf Anerkennung schielt, die keinen Mehrwert kennt und sich nicht schert um bürokratischkorrekte Umgangsformen.
Kein Spiel.
Kein Spiel.
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[Verlinken, kopieren, weitergeben. Wer den Text richtig findet, sollte ihn genau so zeigen]
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Domination Enhanced Beyond Rule Induced Superiority - D.E.B.R.I.S
Mittwoch, 29. September 2010
Dienstag, 28. September 2010
Alles neu macht der ... Oktober
Heute beschlossen, mein Zimmer umzugestalten.
Erstens muss das Bett vom Fenster weg, damit ich es etwas ruhiger habe. Und zweitens will ich mein Bücher-Chaos endlich in den Griff kriegen. Die Regale quellen über, und ich werde ja nicht aufhören zu lesen.
Kurz: erst Herrin über leblose Objekte, und dann sind die lebendigen wieder dran...hrhr..
Die Umsetzung muss allerdings etwas warten, weil es mir vor ein paar Tagen in den Rücken gefahren ist zu allem Überfluss. Und, ja, ich spüre es ! Es tut weh ! Die Nervenbahn funktioniert ! Aua !
Heute nacht Wärmepflaster drauf.
Und dann gehts morgen ins Büro, das erste Mal seit Monaten. Was auch heisst: früh aufstehen, Klamotten richten, alles ordentlich haben. Sehr merkwürdig irgendwie...
Eine Freundin meinte, ich sollte mir genau überlegen, wie schnell ich in die Mühle zurück will. Denn, wenn man einmal draussen ist, merkt man erst, was das mit einem macht, wie man verschlissen wird vom Alltag und keinen wirklich wichtigen Gedanken mehr fassen kann, weil man einfach zu kaputt ist.
Recht hat sie !
Ich freu mich auf die Kollegen, aber ob ich noch so mitmachen kann wie früher, wird sich zeigen. Auf Teufel komm raus "Gesundheit beweisen" werde ich sicher nicht. Es ist ein Ausprobieren, wann die Grenze kommt.
Alles in allem bin ich recht entspannt und gelassen. Zur Zeit ist das Leben angenehm.
Mittwoch, 22. September 2010
Herrlicher Herbst
Was für ein herrlicher Tag heute ! Sonne satt und schöne Luft. Spätsommer und Herbst - die schönsten Zeiten im Jahr !
Und schon wieder habe ich heute Blumen bekommen !
Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viele Blumen bekommen wie seit diesem halben Jahr meiner Krankheit ...lach...
Samstag, 11. September 2010
Phasen
Meine philosophische Phase hält an.
Damit einhergehend eine grosse Unlust bzgl all dem für meine Begriffe seelenlosen Aufgegeile. Die Angeberei, die Oberflächlichkeit, "nur-das-eine" kotzen mich zunehmend an, oder genauer: befriedigen mich nicht, langweilen mich.
Deshalb habe ich mich jetzt auf Lektüre zurückgezogen und ernsthafte Diskussionen zB zu den Themen "Narzissmus" oder "selbstlose Liebe". Dabei konnte ich dann richtig was lernen, mir Gedanken machen, war gefordert.
Nicht zuletzt wegen meines Geburtstags habe ich das Gefühl, mich in einem Umbruch zu befinden. Ich mache mir nochmal ganz neu Gedanken zu dem, was ich wirklich will jenseits von Szenenormen und Klischees. Das tut mir gut und ich entspanne mich zunehmend und bin zufrieden. Ich werde schon einen Weg finden, da bin ich sicher.
Und abgesehen von all dem ist es viel wichtiger, dass ich mit der MS klar komme. Meine Wünsche, mich, anpassen an die neue Situation. Und alles weglassen, was mir auf den Geist geht.
LEARN TO LET GO OF THINGS YOU FEAR MOST TO LOSE
Freitag, 10. September 2010
Nr. 1:
Viele angebliche Masochisten oder angebliche Devote sind möglicher Weise narzistische Egozentriker. Was heißt, sie leiden oder dienen nicht, weil sie jemandem etwas Gutes tun wollen, sondern weil *sie* selbst leiden wollen, sich aufopfern wollen. Das gilt vermutlich für einen erheblichen Teil der Kunden professioneller Dominas.
Nr. 2:
Narzistische Egozentriker sind häufig Opfer entsprechender Eltern und haben keine oder eine geschwächte Fähigkeit, für ihre eigenen Bedürfnisse einzutreten. Sie leiden lieber oder opfern sich demonstrativ auf.
Nr. 3:
Dieser Typus hat oft ein niedriges Selbstwertgefühl und fühlt sich wert bestraft und gedemütigt zu werden und fühlt sich zu auto-bdsm oder BDSM hingezogen.
Nr. 4:
BDSM ist m.E. für diesen Typus aber nicht hilfreich. Zum Einen sind narzistische Egozentriker als subs vermutlich 'Fässer ohne Boden'. Zum Anderen entsteht vermutlich durch BDSM kein gesteigertes Selbstwertgefühl. Als sub in einer BDSM-Beziehung gedemütigt und 'geknechtet' zu werden, hilft m.E. diesem Typus auch nicht, zu lernen, aus der Ich-Bezogenheit herauszukommen.
Fazit: Dieser Typus ist für eine professionelle Domina ein treuer Kunde, der nie genug bekommt, aber ständig einen Abgrund öffnet, der einen Sog nach unten erzeugt, dessen man sich mit professioneller Distanz vielleicht erwehren kann. Für eine normale Femdom ist dieser Typus vermutlich wenig spaßig.
Viele angebliche Masochisten oder angebliche Devote sind möglicher Weise narzistische Egozentriker. Was heißt, sie leiden oder dienen nicht, weil sie jemandem etwas Gutes tun wollen, sondern weil *sie* selbst leiden wollen, sich aufopfern wollen. Das gilt vermutlich für einen erheblichen Teil der Kunden professioneller Dominas.
Nr. 2:
Narzistische Egozentriker sind häufig Opfer entsprechender Eltern und haben keine oder eine geschwächte Fähigkeit, für ihre eigenen Bedürfnisse einzutreten. Sie leiden lieber oder opfern sich demonstrativ auf.
Nr. 3:
Dieser Typus hat oft ein niedriges Selbstwertgefühl und fühlt sich wert bestraft und gedemütigt zu werden und fühlt sich zu auto-bdsm oder BDSM hingezogen.
Nr. 4:
BDSM ist m.E. für diesen Typus aber nicht hilfreich. Zum Einen sind narzistische Egozentriker als subs vermutlich 'Fässer ohne Boden'. Zum Anderen entsteht vermutlich durch BDSM kein gesteigertes Selbstwertgefühl. Als sub in einer BDSM-Beziehung gedemütigt und 'geknechtet' zu werden, hilft m.E. diesem Typus auch nicht, zu lernen, aus der Ich-Bezogenheit herauszukommen.
Fazit: Dieser Typus ist für eine professionelle Domina ein treuer Kunde, der nie genug bekommt, aber ständig einen Abgrund öffnet, der einen Sog nach unten erzeugt, dessen man sich mit professioneller Distanz vielleicht erwehren kann. Für eine normale Femdom ist dieser Typus vermutlich wenig spaßig.
Mit Aggressor meinst Du den sich narzistisch-egozentrisch verhaltenden Elternteil, richtig? Solch ein Elternteil würde sich m.E. selbst nie als Aggressor sehen, sondern vielmehr das Kind, das versucht, eigenständig zu denken, fühlen oder handeln. Da das Kind aber lange Zeit - bis es irgendwann einmal von zu Hause fortzieht - keine Chance bekommt, selbständig zu denken, handeln, fühlen, übernimmt es die Wertungen des Elternteils und fühlt sich quasi als Aggressor, wenn es ist nicht 100% auf den narzistischen Elternteil fokussiert ist und genauso ist, wie sich das dieser Elternteil wünscht. Daher ist das 'eingebaute' Verhaltensmuster eines so als Kind Geschädigten, sich 100% an Wünsche anderer anpassen zu wollen. Das klingt wie der Traum-Sub, ist es m.E. aber nicht, weil eben 0% Orientierung auf den dominanten Teil stattfindet, sondern 100% Bezug auf sich selbst. Außerdem glaube ich, dass wenn der Betreffende dieses Muster erkennt und als schädlich empfindet, eine Tendenz dazu hat, sich und diejenigen, die dieses Muster bei ihm aktivieren, zu hassen - in manchen Momenten.
Die Heilung ist m.E. ein Partner, der sehr viel Liebe geben kann und sich mit sehr wenig Liebe im Gegenzug zufrieden geben kann und Stimmungsumschwünge beim Partner - von ganz unten bis ganz oben - erträgt.
Mittwoch, 8. September 2010
Der Wind weht...
"[...]Fantasielose Enge, Intoleranz, Dogmatische Thesen, hohle Begriffe, eigenmächtige Ideale, rigide Systeme. Für mich sind das sehr beängstigende Dinge, die ich von ganzem Herzen fürchte und verabscheue. Natürlich ist die Frage, was richtig und was falsch ist, von grosser Bedeutung. Aber schon ein einziges Fehlurteil kann oft nie wieder rückgängig gemacht werden. Selbst wenn man den Mut hat, den Fehler einzugestehen, ist es hinterher meist zu spät. Engstirnigkeit und Intoleranz sind wie Parasiten. Sie wechseln immer wieder ihren Wirt und ändern ihre Form. Es gibt keine Rettung vor ihnen. Ich will nicht, dass sich so etwas HIER einschleicht."
"[...]Alle Gegenstände sind Wandlungen unterworfen. Die Erde, die Zeit, die Begriffe, die Liebe, das Leben, die Überzeugungen, die Gerechtigkeit, auch das Schlechte, alles fliesst und ist vergänglich. Es gibt nichts, das für die Ewigkeit an einem Ort und in einer Gestalt verharrt. Das ganze Universum ist im Grunde genommen ein gigantischer Paketservice."
"Weil jeder, der liebt, seine fehlende Hälfte sucht. Deshalb wirst du immer traurig - mal mehr, mal weniger -, wenn du an den anderen denkst. Wehmut ergreift dich, als würdest du ein Zimmer betreten, das dir schon lange nicht mehr gehört. Das ist ganz natürlich.[...]"
"[...] Es ist weder die Schuld der DNA noch des Absurden, auch nicht die des Strukturalismus oder der dritten industriellen Revolution. Dass wir alle zugrunde gehen und verloren sind, liegt daran, dass die Welt an sich auf Vergänglichkeit und Verlust beruht. Unsere Existenz ist nicht mehr als ein Schattenriss dieses Prinzips. Der Wind weht.Es gibt stürmische, starke Winde und angenehme, sanfte Brisen. Aber jeder Windhauch geht irgendwann verloren und verschwindet. Wind hat keine Substanz. Wind ist nicht als ein Überbegriff für die Bewegungen der Luft.[...]"
"Das spezifische Gewicht der Zeit lastet auf dir wie ein alter, ambivalenter Traum. Unablässig bist du in Bewegung, um der Zeit zu entrinnen. Doch auch wenn du bis an den Rand der Welt läufst, wirst du ihr nicht entkommen. Und dennoch kannst du nicht anders, als bis an den Rand der Welt zu gehen."
Alles aus: Haruki Murakami, "Kafka am Strand"
Donnerstag, 2. September 2010
Neuentdeckungen
Einen weiteren genialen Sender für elektronische Musik gefunden, besser gesagt, eine Sendung. Mal sehen, ob ich die rippen kann, dann brauche ich nicht schneiden. Auf der site gibt es auch Albumempfehlungen, da kann ich wunderbar mein Wissen und meinen Geschmack erweitern. Gerade höre ich mir die Aufnahme von letzter Nacht an. Sehr sehr interessant !
Der Song ist gut, das video weniger....
Weitere Neuentdeckungen sind literarischer Natur. Haruki Murakami. Je mehr ich von ihm lese, umso besser gefällt er mir.
Zum Beispiel:
"Alles ist eine Frage der Vorstellungskraft. Unsere Verantwortung beginnt in der Vorstellung. Yeats hat einmal geschrieben, "in dreams begin responsibilities" - und genauso ist es. Umgekehrt kann kein Verantwortungsgefühl entstehen, wo es keine Fantasie gibt. [...]"
Zu diesem Thema hat er ein ganzes Buch geschrieben : "Kafka am Strand". Faszinierend. Märchenhaft. Unheimlich.
Und ansonsten muss ich mir jeden Tag sagen, was ich alles habe, nicht im Sinne von Besitz, sondern von Lebensqualität, im Sinne von Kraft, um meine Mitte nicht zu verlieren, meine persönliche Zufriedenheit. Damit die Oberflächlichkeiten und Herabsetzungen, die ich gelegentlich erlebe, mich nicht zu sehr kränken. Denn ich bin dünnhäutig und muss gut auf mich aufpassen. Und mehr als früher darauf schauen, dass es mir gut geht. Ich kann nicht mehr meine Kraft in alle Winde verstreuen und mich hineinstürzen ins pralle Leben, egal, was das mit mir macht. Mehr denn je muss ich bewusster auswählen, mit wem ich Nähe zulassen will. Das ist nicht ganz einfach, war es noch nie. Aber über mich wegtrampeln geht halt jetzt garnicht mehr, um es mal salopp auszudrücken.
Ohne Bücher und ohne Musik wäre ich verloren !
Und ohne Menschen, mit denen ich offen über alles reden kann.
Mit Arbeiten muss ich mich noch etwas gedulden, da brauche ich erst medizinisches OK, bevor irgendeine Wiedereingliederung möglich ist. Dafür kann ich aber Urlaub nehmen. Muss es nur anmelden bei der Firma und dann geht das. Jetzt bleibt nur noch die Frage : wohin ??
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