Samstag, 13. November 2010

Gedichte

Für Einen

Die Andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: kannst ruhig schlafen,
Ich steure immer wieder her.

Denn all die Stürme, die mich trafen,
Sie ließen meine Segel leer.
Die Andern sind das bunte Meer,
Du aber bist der Hafen.

Du bist der Leuchtturm. Letztes Ziel.
Kannst Liebster, ruhig schlafen.
Die Andern... das ist Wellenspiel,

Du aber bist der Hafen.

Mascha Kaleko

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Endlich bist du da. Wie gut.
Ich hab mich so sehr nach dir gesehnt.
Komm, kühl mein Herz. Es brennt.
Sei willkommen, sei umarmt,
immer wieder und immer wieder,
es ist Zeit...

Sappho (617/12 v.Chr. - um 570-560 v.Chr.)

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Der Mann im Mond

Der Mann im Mond hängt bunte Träume
die seine Mondfrau spinnt aus Licht,
allnächtlich in die Abendbäume,
mit einem Lächeln im Gesicht.

Da gibt es gelbe, rote, grüne
und Träume ganz in Himmelblau
mit Gold durchwirkte, zarte, kühne,
für Bub und Mädel, Mann und Frau.

Auch Träume, die auf Reisen führen
in Fernen, abenteuerlich,
- Da hängen sie an Silberschnüren
und einer davon ist für dich
.

Mascha Kaleko 

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Finale con moto

Du hast in mir viel Lichter angezündet,
mit blauen Träumen mir den Tag erfüllt,
und alles Blühen, alles Leuchten mündet
noch im Erlöschen hin zu deinem Bild.

Du kamst: Zum Garten ward das Grau der Straßen.
Du kamst nicht, und der Tag hat nicht gezählt.
Wie hat, allein, das Leben mich gequält.
Der große Trug, den wir zu zweit vergaßen.

Es war der gleiche Sang in deinem Blut,
die gleiche Saite, jäh entzweigerissen.
Ein müder Klang, um den wir selbst kaum wissen,
jahrtausendalte, halberstorbne Glut.

Verwehter Ton, der noch im Klingen schweigt,
Gesumm, das ohne Anfang ist und Ende.
Dass sich der Schatten deines Ahns dir neigt,
umfängt auch mich der Segen seiner Hände.

Stumm zu verlöschen, ist der letzte Sinn,
still fortzugehen, eh das Feuer schwindet.
Du hast in mir viel Lichter angezündet....

Du sollst nicht wissen, dass ich einsam bin.

Mascha Kaleko 

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