Montag, 10. Januar 2011

Ich liebe Dich nicht mehr...

oder auch : "Die Liebesgefühle sind verschwunden"

Diese Aussagen häufen sich gerade im Bekanntenkreis und werden als Begründung angeführt, eine Beziehung zu beenden.
Das "Schöne" daran ist ja, dass es sich um ein Totschlagargument handelt. Was soll der plötzlich Ungeliebte darauf denn erwidern ? "Ich bin Dir treu seit 20 Jahren" oder "Meine Pfannkuchen sind die besten" ?
Nein....ist ja alles nichts mehr wert. Der Super-Gau, die Katastrophe per se ist eingetreten : man liebt nicht mehr bzw wird nicht mehr geliebt. Dieses offenbar alles entscheidende Gefühl hat sich davon gemacht.


Da fragt man sich doch, wo, wann und wohin die Liebe verschwunden ist. Heute abend eingeschlafen und am Morgen war sie fort ?
Und gab es nicht zuvor schon Unzufriedenheiten ? Warum wurden diese nicht angesprochen? Gab es vielleicht die Erwartung, der Andere müsse kraft Liebe Gedanken lesen können, "spüren", dass es "anders" geworden ist?
Und wieso scheint es wichtiger, Frust mit sich selbst auszumachen, als zusammen mit dem Anderen eine Lösung zu suchen? Ist es einfacher, den Anderen schweigend eine Weile auf seine Fehler hin zu beäugen, um dann "ganz sicher" sagen zu können : Die Liebe ist fort ?

Und überhaupt, mir scheint hier die Idee zu wirken, dass sich Liebe niemals verändert, nicht verändern darf. Das Liebesgefühl soll als letzte verlässliche Instanz herhalten, als letzter Grund für Bindung.


Die arme Liebe.
Welch ungeheure Überforderung ! 


Muss man bei "Liebe" also immer davon ausgehen, dass insgeheim Buch darüber geführt wird, ob es noch "reicht", ob es noch "genug" ist ? Und dass es darüber keine Auseinandersetzung gibt, bis .... ? Schweigen und hoffen ? 


Was sind denn Trennungsgründe ?
Gewalt, Grausamkeit, Desinteresse, Kälte, schwere Krankheiten (ja, durchaus), Misstrauen, Antriebslosigkeit ...

Es gibt sicherlich noch ein paar mehr, aber "plötzlich verschwundene Liebesgefühle" gehören nicht dazu. Diese sind ein Thema innerhalb der Beziehung und bestimmt auch kein einfaches, aber kein Grund, einen Menschen zu verlassen, der einem nah ist, gewöhnlich näher als sonst irgendjemand. 

Nennt mich altmodisch oder schon zu alt für diese Zeit, in der alles und jedes "optimiert" werden muss, offenbar auch die Liebe, aber ich halte Bindung für das Entscheidende, Bindung, die sich verändern darf, was nicht unbedingt "schmerzfrei" bedeutet, aber sich dennoch verändern darf und Bindung bleibt.

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