Sonntag, 16. Januar 2011

Identität

Offenbar sind Menschen auf dieses Gefühl der Kontinuität, auf ein Ich-Bewusstsein angewiesen. Darauf, sich zu erinnern, darauf, eine Vergangenheit ihr eigen zu nennen. Sagen zu können : das bin ich, oder, damals habe ich das und das gemacht und so und so empfunden.
Nur ist Erinnerung leider trügerisch. Es wird gern mit Weichzeichner gearbeitet, also geschönt, oder auch weggelassen. Oder schlicht vergessen - weg, vorbei, weiss nicht mehr.


Als Gegenextrem gibt es die sogenannten savants, die wissen, an welchen Autokennzeichen sie an einem Tag vor 2 Jahren vorbei gegangen sind und können diese wiedergeben.

Was die Vermutung nahelegt, dass wirklich ALLES gespeichert ist - nur im Normalfall nicht abrufbar ist.


Es gibt die These, das "Ich" sei ein "Nebenprodukt" von Bewusstsein, eine Laune der Evolution, nicht unbedingt notwendig, aber praktisch. Etwas als einheitlich wahr zu nehmen, fällt uns leichter. Macht das Leben leichter.


Was ist dann "Ich" ?


Ich weiss darauf keine Antwort. Es ist ja so, als stellte ich mich ausserhalb dessen, was ich bin, schon allein in dieser Formulierung. Was ja wiederum genau die Fähigkeit ist, die sich Bewusstsein nennt. Das erinnert mich gerade an eine Eschersche Schleife ...


Andersherum gedacht : Für mein Empfinden war ich vor 3 Jahren schon jemand anders, als ich jetzt bin, und erst recht vor 20 Jahren. Und eigentlich bin ich doch froh, dass "Ich" nicht so starr ist, nicht auch sich widersprechendes zuzulassen. 
Oder genauer : wer definiert denn, was sich entspricht und was nicht ? Was Identität aus macht und was nicht ? 
Wir selbst.
Wir definieren uns fortlaufend selbst. 
Und hängen daran. Es ist wichtig für uns.


"Mach dir keine Illusionen" entbehrt so betrachtet nicht einer gewissen Ironie.

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